BZ: "Ein fatales Signal"

Dokumentation eines Kommentars von Ralph-Herbert Meyer in der Braunschweiger Zeitung vom 16.09.2010:

Hallo Braunschweig! Es war die ganz große Runde im Rathaus. Fast alles nur Chefs. Das hat Gewicht. Und alle sind natürlich gegen den angedrohten Neonazi-Aufmarsch 2011. Hinter diesem neuen Bündnis gegen Rechtsradikalen-Demonstrationen soll sich nun, so wünschen sich das Oberbürgermeister Hoffmann und Polizeipräsident Döring, die ganze Stadt in ihrem Widerstand versammeln.

Schön wäre das, aber leider hatte das Erstlingstreffen einen Geburtsfehler. Denn nicht dabei waren ausgerechnet jene, die als Gegendemonstranten der Neonazis die Fahne der wehrhaften Demokratie tatsächlich von Angesicht zu Angesicht hoch halten: Schüler, Studenten und das seit 1999 stets gegen Neonazi-Aufmärsche agierende, bestehende und linksgerichtete Bündnis gegen Rechts.

2005 engagierten sich aus diesem Kreis 3000 Menschen. Andere suchte man fast vergeblich auf der Straße. Die meisten der Gegendemonstranten waren junge Menschen, die sich erstmals in den Demokratie-Prozess einmischten. Sie wurden von Wasserwerfer von der Straße gespült und im „Braunschweiger Kessel“ sogar ihrer Freiheit beraubt, um der NPD den freien Marsch durch die Stadt zu gewähren.

Ein fatales Signal. Eine weitere traurige Erfahrung mit der Demokratie ist jetzt, dass genau sie offenbar vergessen wurden bei den Überlegungen, wie diesmal den Rechtsradikalen begegnet werden soll.

Pssst! Die Taktik der Geheimniskrämerei von Stadt und Polizei lässt die Hoffnung zu, dass sich die honorige Runde zu ihrem zweiten Treffen noch an Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta), Stadtschülerrat und Bündnis gegen Rechts erinnert.