BZ: Grüne Jugend will "Bunt statt Braun"

Domukentation eines Artikel von www.newsclick.de, 17.04.2011:

Von Markus Brich: „Bunt statt Braun“, „Nazis haben doofe Ohren“, „Not loving Nazis“ – die Grüne Jugend Braunschweig (GJBS) hat Samstag auf dem Domplatz mit bunter Kreide Zeichen gesetzt, geschrieben, gemalt. Laternen und Bäume wurden mit bunten Bändern farbenfroh dekoriert. Der Protest der Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen richtete sich gegen den geplanten Nazi-Aufmarsch am 4. Juni in der Stadt.

Unterstützt wurden Braunschweigs junge Grüne dabei von den Teilnehmern der Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend Niedersachsen, deren Gastgeber die Braunschweiger am Wochenende waren. Jan Ozegowski (22), Ansprechpartner der GJBS: „Der Kampf gegen rechtsextremistische Strukturen ist ja ein ur-grünes Thema.“ In einer Woche, so der Student für Umweltingenieurwesen, bestehe die Grüne Jugend Braunschweig seit zwei Jahren.

„Wir haben einen stetigen Zuwachs“, erklärt Mitglied Lea Kolb (18). „Es gibt ständig Anfragen“, berichtet die angehende Theologie-Studentin. „Vor allem in der Region um Braunschweig gibt es zunehmend Aktive.“ Die Atom-Katastrophe von Fukushima habe sich dagegen kaum auf die Gruppenstärke ausgewirkt. Zum Kern derjenigen, die regelmäßig an den Treffen und Aktionen der Grünen Jugend Braunschweig teilnehmen, rechnet Lea Kolb etwa 20 Aktive.

Eine deutliche Entwicklung der Mitgliederzahlen macht Jan Frederik Wienken, Landessprecher der Jungen Grünen, in Niedersachsen aus: „Vor vier Jahren hatten wir 250 Mitglieder, jetzt sind es 670.“

Doch die exakte Größe des Grünen-Nachwuchses zu bestimmen ist schwierig. Parteibürokratie ist den jungen Grünen fremd. Die Mitgliedschaft kann mündlich erklärt werden, örtliche Basisgruppen bilden sich oft spontan. „Manchmal erfahre ich erst aus der Zeitung, dass sich schon wieder eine neue Grüne-Jugend-Gruppe irgendwo gebildet hat“, sagt Jan Frederik Wienken.

Werden die Grünen den nächsten Bundeskanzler stellen? Die Grüne Jugend lässt die Frage kalt. Dass die Grünen aktuellen Umfragen zufolge im Bundestrend erstmals mit 24 Prozent vor der SPD (23 Prozent) liegen, Union, FDP und Linke zusammen nur auf 46 Prozent kommen – das ist für den ökologisch-politisch motivierten Nachwuchs nicht mehr als eine Randnotiz.

„Wir haben nicht den Anspruch, Gesetzestexte formulieren zu wollen, uns geht es um die Bereitschaft, Fragen zu stellen – auch ungewöhnliche“, beschreibt Wienken das Selbstverständnis der jungen Grünen.

So stand denn auch das Thema „Staat und Nation“ im Mittelpunkt des Landestreffens. Lässt sich der Kapitalismus überwinden? Wäre eine Weltrepublik utopisch? Können die Barrieren der Nationalstaaten aus dem Weg geräumt werden? Visionen zur Weltpolitik, zu globalem Umweltschutz, Menschenrechten und Migrationspolitik wurden entworfen und diskutiert.

Doch es bleibe nicht nur beim Träumen, erklärte Sven-Christian Kindler. Der Grüne aus Hannover ist mit 26 Jahren derzeit jüngster Bundestagsabgeordneter. „Die Grüne Jugend setzt ihre Visionen auch vor Ort um.“ Was das für Braunschweig bedeutet, schildert Lea Kolb: „Die Landes-Aufnahme-Behörde für Asylbewerber in der Boeselagerstraße in Kralenriede steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Kaum ein Braunschweiger kennt die Umstände, unter denen die Menschen in der ehemaligen Kaserne wohnen und leben. Auf deren Situation wollen wir hinweisen und Änderungen in der deutschen Asylbewerbergesetzgebung erreichen.“