Bündnis gegen Rechts fordert: Landessparkasse soll Bild des Nazi-Malers Walther Hoeck wieder abhängen

[Update: Wie uns mitgeteilt wurde hängt neben dem Bild in der Landsparkasse ein Hinweis mit den Lebensdaten des Künstlers, in dem auch seine NSDAP-Mitgliedschaft erwähnt wird – insofern ist der Vorwurf , dass Bild werde ohne jeden Hinweis auf den ideologischen Hintergrund des Malers gezeigt in Bezug auf die Braunschweiger Landessparkasse falsch. Wir entschuldigen uns dafür, dass der Eindruck entstanden ist, die Landessparkasse verschweige die politischen Hintergründe des Malers. Dennoch halten wir das Bild des NS-Malers nicht für geeignet, es repräsentativ in der Landessparkasse auszustellen.]

Zum Artikel „Brennendes Braunschweig“ kehrt zurück in der Braunschweiger Zeitung vom 1.2.2012

Mit Empörung und Verwunderung über die unkritische Darstellung des Werdegangs des Braunschweiger Malers Walther Hoeck haben wir in der heutigen Ausgabe der Braunschweiger Zeitung lesen müssen, dass sein Bild „Brennendes Braunschweig“ über die Bombardierung der Stadt 1944 im öffentlichen Bereich der Braunschweiger Landessparkasse unkommentiert ausgestellt wird.

Im Artikel wird der der Lebensweg des Malers Walther Hoeck selektiv und verharmlosend dargestellt: „Zwischen 1920 und 1954 lebte er als freischaffender Maler in Braunschweig-Lehndorf.“ – Kein Wort darüber, dass er bekennendes und aktives NSDAP-Mitglied war und Propagandakunst im Sinne der NS-Ideologie anfertigte.1932 trat Walther Hoeck in die NSDAP ein.1933 bis 1934 war er Vorsitzender des Reichskartells der Bildenden Künste des Bezirks Braunschweig. 1935 wurde er Vertrauensmann der Reichskammer der Bildenden Künste Landesstelle Niedersachsen. Im selben Jahr entstand eines der bekanntesten Propagandawerke Hoecks, das Wandbild „Das junge Deutschland“, das für den damaligen Braunschweiger Hauptbahnhof erstellt wurde. Es zeigte einen überlebensgroßen nackten Mann, der eine wehende Hakenkreuzfahne in den Händen hält, ein sich aufbäumender Schimmel und im Hintergrund marschierende SA-Truppen. Im 2. Weltkrieges war Hoeck „Künstler im Kriegseinsatz“. Seine Werke zeigten kriegsverherrlichende und heroisierende Darstellungen von Soldaten und Kampfszenen. 1942 erhielt er den von den Nazis geschaffenen Kunstpreis der Stadt Braunschweig.

Gerade aktuell wird die Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten im 2. Weltkrieg von Neonazis durch „Trauermärsche“ – wie vor einigen Tagen in Magdeburg oder am 13. Februar in Dresden – instrumentalisiert. Die deutschen Opfer werden in den Vordergrund gestellt, die Bombardierungen zu „Verbrechen der Alliierten“ erklärt. Ausgeblendet werden die Ursachen des Krieges, die Verbrechen der Nazis und der Wehrmacht und die Mitverantwortung weiter Teile der Bevölkerung, die Hitler begeistert zujubelten.

Doch auch in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung wird meist einseitig die „deutsche Opferperspektive“ eingenommen. Der Autor Henning Fischer („Erinnerung an und für Deutschland. Dresden und der 13. Februar 1945 im Gedächtnis der Berliner Republik“) äußerte dazu kürzlich in einem Interview:

Das Problem besteht in einer selektiven Erinnerung und Wahrnehmung. Die Bombardierung wird zum Mythos, wo das eine hervorgehoben und das andere verschwiegen oder vergessen wird …Das ist einer der Mechanismen dieses Mythos: Es werden nur bestimmte Teile erzählt – mit einem ganz bestimmten Zweck. Man kann das einen ‚memorialen Sichtschutz’ nennen. Einfacher gesagt: Wenn an die unschuldige deutsche Stadt erinnert wird, muss nicht an Auschwitz gedacht werden.

Ohne jeden Hinweis auf den ideologischen Hintergrund des Malers und des Bildes und ohne jede Erklärung zu den geschichtlichen Hintergründen und Ursachen der Bombardierung, trägt das öffentliche Zeigen des Bildes dazu bei, genau diese selektive Wahrnehmung und den Opfermythos zu festigen.

Wir, das Braunschweiger Bündnis gegen Rechts, fordern die Braunschweiger Landessparkasse auf, das Bild des Nazi-Malers Walther Hoeck unverzüglich wieder abzuhängen!