BZ: "Bündnis gegen Rechts: Bild abhängen – Präsentation des historischen Gemäldes 'Brennendes Braunschweig' in der Landessparkasse löst Proteste aus"

Artikel aus der Braunschweiger Zeitung vom 3.2.2012:

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Wenige Stunden nach Veröffentlichung des Berichts über das Aufhängen des Ölgemäldes „Brennendes Braunschweig“ in der Braunschweigischen Landessparkasse in der Niederlassung Dankwardstraße forderte das Bündnis gegen Rechts per Internet und Presseerklärung: „Die Landessparkasse soll das Bild des Nazi-Malers Walther Hoeck wieder abhängen.“

Der Grund: Der Maler (1885-1956) war seit 1932 bekennender und aktiver Nationalsozialist. „Er fertigte Propagandakunst im Sinne der NS-Ideologie an“, so David Janzen vom Bündnis gegen Rechts.

Womit Janzen Recht hat. Der Maler kam erst durch seinen Eintritt in die NSDAP zu maßgeblichem Ansehen im hiesigen Kulturleben, galt ab 1939 als Künstler im Kriegseinsatz.

Hoeck-Gemälde mit eindeutiger NS-Symbolik

Das seinerzeit wohl bekannteste Bild Hoecks war das überdimensionale Gemälde „Das junge Deutschland“ mit gleich mehreren Symbolen nationalsozialistischen Gedankenguts, ausgestellt in der Empfangshalle des damaligen Kopfbahnhofs.

„Ohne jeden Hinweis auf den ideologischen Hintergrund des Malers und des Bildes und ohne jede Erklärung zu den geschichtlichen Hintergründen und Ursachen der Bombardierung trägt das öffentliche Zeigen des Bildes dazu bei, […] den Opfermythos zu festigen“, schreibt das Bündnis.

Weiter heißt es: „Gerade aktuell wird die Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten im 2. Weltkrieg von Neonazis durch ,Trauermärsche‘ instrumentalisiert“, meint Janzen. Ausgeblendet würden dabei die Ursachen des Krieges, die Verbrechen der Nazis und der Wehrmacht und die Mitverantwortung weiter Teile der Bevölkerung, die Hitler begeistert zujubelten.

„Leider war das Bündnis gegen Rechts nicht bei der öffentlichen Präsentation des Bildes“, reagierte Lutz Tantow, Pressesprecher der Landessparkasse, auf den Vorwurf, das Gemälde ohne geschichtliche Einordnung aufgehängt zu haben.

„Bei einem Besuch in der Bank wäre aufgefallen, dass ein Schild mit den Lebensdaten des Malers, also auch seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, neben dem Gemälde hängt“, betonte Tantow.

Nachdem das Bündnis davon Kenntnis erhalten hatte, formulierte es: „Wir entschuldigen uns dafür, dass der Eindruck entstanden ist, die Landessparkasse verschweige die politischen Hintergründe des Malers“, ist auf seiner Internetseite zu lesen. Dennoch bleibt die Einschätzung: „Wir halten das Bild des NS-Malers nicht für geeignet, es repräsentativ in der Landessparkasse aufzuhängen.“

Bank-Sprecher Tantow sieht das anders: Das Bild, entstanden nach einer Skizze nach dem Brand im Anschluss an die Bombennacht im Oktober 1944, habe gerade für ältere Braunschweiger Bürger „einen hohen Identifikationsgrad“. Daher sei entschieden worden, es wieder in der Dankwardstraße aufzuhängen, wo es bis in die 1970er-Jahre im Eingangsbereich zu sehen war.

Rückenwind bekommt das Bündnis gegen Rechts von Historiker Professor Gerd Biegel: „Das ,Brennende Braunschweig‘ wird kunstwissenschaftlich formal wie inhaltlich als schlüssiges Werk nationalsozialistischer Malerei eingeordnet.“ Biegel weiter: „Ich will nicht der Landessparkasse vorschlagen, das Bild abzuhängen.“ Andererseits könnte eine Präsentation des Gemäldes außerhalb eines musealen Umfeldes durchaus als Aufwertung eines Nationalsozialisten verstanden werden. „Man kann nicht gegen Neonazis sein, aber das Bild eines eindeutig nationalsozialistisch geprägten Künstlers repräsentativ ausstellen.“

In der Bank gehen die Überlegungen derzeit in die Richtung, Betrachtern die Möglichkeit zu geben, tiefer in die Materie einzusteigen. „Wir begrüßen ausdrücklich eine öffentliche Diskussion über das Thema und denken darüber nach, eine Dokumentation über das Gemälde und den Maler zu erstellen und auszulegen“, erklärte Lutz Tantow.