Pressemitteilung: BRAGIDA nicht die Straße überlassen!

Das Bündnis gegen Rechts Braunschweig ruft anläßlich des Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November zur einer Kundgebung vor dem Braunschweiger Rathaus auf. Die Versammlung des Bündnis gegen Rechts wird von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Personen, sowie von den Ratsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und der BIBS („Bürgerinitiative Braunschweig“) unterstützt. Erwartet werden rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Als RednerInnen werden u.a. ein Vertreter der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg/Region Braunschweig e.V., Uwe Fritsch (Vorsitzender des Betriebsrates VW Braunchweig) und Dirk Bitterberg (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Braunschweig e.V.) sprechen. Ein Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA) wird den „Apell an die Jugend“ der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano und des Widerstandskämpfer Peter Gingold verlesen.

Das Bündnis gegen Rechts kündigt an, dass es im Anschluß an ihre Kundgebung auch wieder einen sichtbaren und lautstarken Protest gegen den lokalen Ableger der rechten PEGIDA-Bewegung, BRAGIDA („Braunschweig gegen die Islamisierung des Abendlandes“), geben wird:

BRAGIDA hat für den 9. November ebenfalls eine Versammlung für den Rathausvorplatz angemeldet, die um 19 Uhr beginnen soll. Dort ist als Redner der „bekannten Neonazi“ (Stuttgarter Zeitung) Karl-Michael Merkle angekündigt, der unter dem Pseudonym „Michael Mannheimer“ einer der bekanntesten Blogger und Redner aus dem Spektrum der rechten Islamfeinde ist.

Während in anderen Städten, wie z.B. in München,  Versammlungen von PEGIDA für den 9. November 2015 bereits untersagt wurden, geht das Bündnis gegen Rechs derzeit davon aus, dass die Versammlungsbehörde die BRAGIDA-Kundgebung nicht untersagen, aber eine der beiden angemeldeten Versammlungen per Verfügung an einen anderen Ort verlegen wird.

David Janzen, Sprecher des Bündnis gegen Rechts:

„Es ist eine unglaubliche Provokation, dass die rechten PEGIDA-Anhänger ausgerechnet an diesem Tag des Gedenkens an die Reichspogromnacht mit ihren Hassreden, ihren ‚Lügenpresse‘ und ‚Volksveräter‘-Rufen vor dem Rathaus auftreten wollen. Sollte die Stadt unsere Versammlung per Verfügung verlegen und BRAGIDA den Rathausplatz überlassen, wäre das ein fatales Signal!

Der 9. November steht wie kein anderer Tag symbolisch für die deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert: Am 9. November 1918 beendete die Novemberrevolution den ersten Weltkrieg und führte zum ersten demokratischen Staat in Deutschland. Nicht zufällig wählte Hitler deshalb den 9. November 1923 für seines Putschversuch in München. Auch für den sorgsam inszenierten ‚Volkszorn‘, der sich in der Reichspogromnacht 1938 gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger und Geschäfte und Synagogen richtete, wählten die Nazis sehr gezielt den 9. November aus. Nicht zuletzt erinnert der Platz unserer Kundgebung auch an die Teilung Deutschlands, die auch eine Folge aus dem Faschismus war und die am 9. November mit dem Fall der Mauer ihr Ende fand.

Wir als Bündnis gegen Rechts wollen an diesem Tag mit vielen Menschen gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen: Gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Islamfeindlichkeit und gegen Hetze gegen Flüchtlinge.

Mit unserer Kundgebung auf dem Platz vor dem Braunschweiger Rathaus, wo es rundherum sehr viele historische Bezüge zur Zeit des NS-Regimes gibt, wollen wir daran erinnern, wohin auch in Braunschweig die Verächtlichmachung demokratischer Errungenschaften und die Verbreitung völkischer Ideologien und antisemitischem und rassistischem Hass führte: Zur Zerstörung der Weimarer Republik, der gewaltsamen Absetzung des Oberbürgermeisters Ernst Böhme und zum Terror gegen die ArbeiterInnenbewegung. Und am Ende stand das kaum Faßbare: die organisierte Vernichtung der Juden und Jüdinnen in Europa.

Wir werden am 9. November den Rassisten, Flüchtlingsfeinden und Hassbürgern nicht die Straße überlassen. Wenn es eine Lehre aus den Verbrechen des Faschismus gibt, dann ist es die, angesicht solcher solcher dumpf-rechter Bewegungen nicht wegzusehen, sondern wachsam zu sein und den Anfänge zu wehren!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.