Kundgebung am Freitag kritisiert fortlaufende Bagatellisierung durch die Polizei

Der Angriff mehrerer Braunschweiger Nazis am Mittwochabend (14.07.) auf einen jungen Mann auf dem Frankfurter Platz bedeutet aus Sicht unseres Bündnisses eine weitere Eskalation rechter Gewalt in Braunschweig.
Umso mehr verwundert es, dass die Polizei nach wie vor nicht bereit ist, das Problem rechter Gewalt beim Namen zu nennen.

Wir haben mit dem Opfer gesprochen. Der Mann hatte im Glück im Unglück, dass dieser Überfall nicht noch deutlich schlimmer ausgegangen ist. Wir haben mit Zeugen Kontakt, die den Angriff der Nazis beobachtet und durch ihr mutiges Eingreifen schwerere Verletzungen verhindert haben. Für einen Augenzeugen war es besonders schlimm, dass der Notruf nicht erreichbar war und die Polizei sich am Tatort nicht direkt um den Verletzten gekümmert hat.

Bei den 250 Teilnehmer*innen der Kundgebung (17.07.) und im Bündnis wundert sich niemand, dass der betroffene junge Mann und auch mancher Zeuge zurückhaltend bei Aussagen gegenüber der Polizei sind:
Seit Jahren wird uns erzählt, dass es keine Zunahme der Bedrohung und der Gewalt durch Rechte gibt.
Da die Erfahrungen vieler, vor allem junger Menschen, aber ganz andere sind, sind sie oft misstrauisch gegenüber Anzeigen und Zeugenaussagen.

Die Erfahrungen von Betroffenen rechter Gewalt werden kontinuierlich aberkannt und durch eine Verschiebung in Rechts-Links-Debatten bagatellisiert. Gerade deswegen braucht es eine unabhängige Anlaufstelle für die Opfer rechter Gewalt in Braunschweig.

Sie ist wichtiger denn je. Wir müssen überlegen und diskutieren, ob es möglich ist, eine unabhängige Beratungsstelle durch das Bündnis selber zu schaffen, organisieren und finanzieren. Gleichzeitig aber wollen wir die Institutionen dabei nicht aus der Verantwortung lassen.