Erinnern, gedenken, handeln – Nie wieder Auschwitz!

Heute vor 77 Jahren befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die beiden Konzentrationslager Auschwitz.

Wir gedenken all den Menschen, die durch die nationalsozialistische Ideologie und ihre Helfer*innen entwürdigt, entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden – Jüdinnen und Juden, Sinti*zze und Rom*nja, Zeugen Jehovas, Millionen verschleppter Slaw*innen, Zwangsarbeiter*innen, Homosexuellen, politischen Gefangenen, kranken, behinderten und langzeitarbeitslosen Menschen.

Historische Daten wie der 27. Januar, 8. Mai und 9. November müssen mit ihrem politischen Stellenwert für die Gegenwart ernst genommen werden. Erinnerung ist mehr als ein symbolischer Kranz an Gedenktagen – damit verbindet sich auch eine soziale und politische Haltung im Alltag sowie kritische Auseinandersetzung mit Kontinuitäten, aktuellen Entwicklungen und den zugrundeliegenden Strukturen.

Wir wollen auch an die Täter*innen und die bundesdeutsche Nachkriegsgeschichte erinnern: Profiteur*innen und tausende, die das Funktionieren des NS-Staates, die Deportationen und industriell organisierten Massenmorde zu verantworten hatten, blieben bis auf wenige Ausnahmen und einige eher symbolische Verurteilungen frei von Verfolgung und Bestrafung. Stattdessen durften sie in angesehenen Ämtern geraubten Besitz behalten und Institutionen neu mit aufbauen. Dazu kam die Mehrheit der Deutschen, die durch schweigendes und zustimmendes Mitwirken die Verbrechen erst ermöglichte.

Mitläufertum und bereitwillige Beteiligung an Shoah und Porajmos zeigen eine der größten Herausforderungen für die Gegenwart: den Umgang mit anhaltendem, tradiertem Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft und Institutionen.

Wir müssen Verantwortung übernehmen, dass sich die Geschichte der Verfolgung und Vernichtung nicht wiederholen kann. Der Auftrag gewinnt an Bedeutung, wenn man altbekannte antisemitische Verschwörungsmythen im aktuellen Gewand der Leugnung der Pandemie und ihrer Ursachen sieht.

Verantwortung heißt: aktives Eingreifen gegen Geschichtsverdrehung, rechte Ideologie und ihre Verharmlosung, gegen Nazipropaganda, gegen Antisemitismus jeder Art. Wenn Menschen von Rechten als Feinde markiert und bedroht werden, geschieht das nicht ohne unseren Protest und unsere Gegenwehr.

Nie wieder Auschwitz!