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Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit – Gedenkveranstaltung für die Opfer von Faschismus und Militarismus

16. November 2014 / 11:00

Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit

 

Rangeleien beim antifaschistischen Gedenken

Vor 20 Jahren, am 14.11.1994 riefen antifaschistische Gruppen zu einer Gedenkveranstaltung für die „Opfer von Faschismus und Militarismus“ am Schilldenkmal auf, um an das angrenzende ehemalige KZ-Außen­kom­man­do zu erinnern. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten durch TeilnehmerInnen der glei­ch­zeitig dort stattfindenden „offiziellen“ Gedenkveranstaltung des „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ und der Stadt Braunschweig.

Gedenken oder militaristische Heldenverehrung?

Schon seit 1955 legten hier jedes Jahr am „Volkstrauertag“ VertreterInnen der Bundeswehr, der Stadt, von Parteien und militaristischen und revanchistischen Organisationen, wie z.B. auch der Vereinigung ehemaliger SS-Angehöriger, Kränze im Gedenken an die Gefallenen des I. und II. Weltkrieges nieder. Während am Schilldenkmal mit seinem Symbol des deutschen Militarismus, dem „Eisernen Kreuz“ und der Inschrift „Sie fochten und fielen für Deutschland Freiheit“ vor allem den gefallenen deutschen Soldaten gedacht wurde, erinnerte dort bis dahin nichts an das Leiden und Sterben der Menschen im KZ Außenkommando.

Auseinandersetzungen führen zu Errichtung der KZ-Gedenkstätte

Die Initiative der AntifaschistInnen und die darauf folgenden Auseinandersetzungen lösten eine breite öffentliche Diskussion aus. Der „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ und die Stadt beendeten schließlich die Tradition der – als militaristisch und geschichtsverdrehend kritisierten – Gedenkveranstaltungen am Schilldenkmal und verlegten diese auf den Hauptfriedhof an den Gedenkstein für die „Toten des Krieges, der Gewaltherrschaft, der Vertreibung“. Die Stadt entwickelte ein „Gedenkstättenkonzept“ zur „nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“. Im Auftrag der Stadt gestaltete die Künstlerin Sigrid Sigurdsson die Gedenkstätte KZ Schillstraße, die 2000 eröffnet wurde und unter dem Leitspruch „Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit“ steht. Im dortigen „Invalidenhäuschen“ ist außerdem das „Offene Archiv“ untergebracht, in dem Dokumente und Erinnerungsberichte zur Geschichte des NS-Regimes aber auch des Umgangs mit der Geschichte und dem Gedenken nach 1945 hinterlegen werden können.

Gedenken mit Nazis

Im letzten Jahr geriet die Gedenkveranstaltung des „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ (VdK) erneut in die Schlagzeilen, weil Vertreter der Nazi-Partei „Die Rechte“ dort teilnehmen konnten. Obwohl den Verantwortlichen bewusst war, dass es sich um Nazis handelte, schritt man nicht ein. So äußerte der Vorsitzende des VDK hinterher entschuldigend: „Aus Respekt vor den Trauernden und den Toten haben wir auf den Versuch verzichtet, die unliebsamen Besucher wegzuschicken“. Respekt vor den Toten hätte wohl eher bedeutet die Nazis wegzuschicken. Denn sie sind die geistigen Nacheiferer derjenigen, die Verantwortlich waren für den Angriffskrieg der Wehrmacht, faschistischen Terror, Mord und den Holocaust und damit letztlich auch für die Bombardierung deutscher Städte durch die Alliierten.

Rechte Geschichtsverdrehung

Aktuell versuchen die Nazis in Braunschweig mit ihrer Kampagne „Ge-H-denken“ die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten im II. Weltkrieg aufzugreifen. In dem sie allein die Erinnerung an die Schrecken der Bombennacht für die deutsche Bevölkerung herausstellen, verfolgen sie das Ziel, die Verbrechen des deutschen Faschismus zu relativieren. Verschwiegen wird dabei nicht nur, dass es die Nazis waren, die den II. Weltkrieg begonnen haben, sondern auch, dass diese schon 1937 mit der Bombardierung der baskischen Stadt Guernica auf Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung setzten und dies mit der Bombardierung britischer Städte fortsetzen. Es sind Krokodilstränen, die die Nazis hier vergießen. Ihnen geht es nicht um die zivilen Opfer von Krieg und Militarismus. Ihnen geht es allein darum, dass „Deutsche“ in den Bombenhageln starben. Dabei stimmt noch nicht mal das: Die meisten Toten waren ausländische ZwangsarbeiterInnen und KZ-Häftlinge, weil diese nicht Schutz in den Luftschutzbunkern suchen durften.

Aus dem Gedenken an die Opfer des Faschismus
erwächst die Verpflichtung zum antifaschistischen Widerstand

Als sich am 11.04.1945 die Häftlinge im KZ Buchenwald befreit hatten, versammelten sie sich zum Schwur: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“. Heute, fast 70 Jahre später, ist diese “neue Welt des Friedens und der Freiheit“, wie ihn die Häftlinge herbeisehnten, noch immer in weiter Ferne. Noch immer sind in vielen Teilen der Welt Menschen von Krieg, Krisen, Terror, Vertreibung, Flucht, Armut, Ausbeutung, Rassismus, ‚Antisemitismus und Sexismus betroffen. Rechtspopulistische Parteien feiern derzeit in ganz Europa Erfolge, faschistische Bewegungen können, wie in der Ukraine oder Griechenland, immer wieder auch eine Massenbasis erlangen. Schon 1994 war das Gedenken an die Opfer des Faschismus am KZ Schillstrasse verbunden mit aktuellen politischen Auseinandersetzungen, so standen damals die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Fokus der Kritik. Auch für uns als Bündnis gegen Rechts ist das Gedenken an die Opfer des Faschismus, das Erinnern an die Geschichte des antifaschistisch Widerstandes und die Mahnung an die Verbrechen des Faschismus nicht rückwärtsgewandt, sondern beinhaltet die Verpflichtung im hier und jetzt in gesellschaftliche Entwicklungen einzugreifen und gegen rassistische, antisemitische und chauvinistische Tendenzen die Stimme zu erheben. Der Blick zurück ist deshalb auch der Blick in eine Zukunft, die besser sein soll als die Vergangenheit.                            

>>> Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit

Details

Datum:
16. November 2014
Zeit:
11:00
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
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Veranstalter

Bündnis gegen Rechts

Veranstaltungsort

KZ-Gedenkstätte Schillstrasse
Schillstrasse 25
Braunschweig, 38102 Deutschland
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