Schlagwort-Archive: Veranstaltung

Veranstaltung: Wie man die Neonazis kritisieren sollte und wie besser nicht

Diskussionsveranstaltung mit Freerk Huisken, Professor im Ruhestand und Autor der Zeitschrift Gegenstandpunkt.

So viel ist klar: Die Nationaldemokraten und ihr Anhang sind die bestgehasste politische Richtung im Land. Von Politikern der bürgerlichen Volksparteien bis hin zu ganz linken Aktivisten ist man sich in der Ablehnung einig. Nicht so klar ist, warum. Denn die viel beschworene geistige Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis findet so gut wie nicht statt. Sie werden statt dessen behindert und bespitzelt – also nicht kritisiert sondern ausgegrenzt. Man veröffentlicht Steckbriefe von den Funktionären und enttarnt Neonazis an ihrer Kleidung, ihren Codes und ihrer Musik. Auch das lässt sich nicht mit Kritik verwechseln. Man findet sie ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als politisches Programm ernst genommen zu werden.

Nichts als diese Ausgrenzung setzt sich dort theoretisch fort, wo doch einmal der Versuch unternommen wird, den politischen Standpunkt der Rechtsradikalen zu kritisieren. Man erfährt dann zumeist nicht mehr, als dass sie „un-demokratisch“, „un-europäisch“, gegen Ausländer, gegen Nato und gegen Globalisierung sind. Das wird schon so sein, doch ist die Benennung einer negativen Abweichung von der bundesdeutschen Normalität und Sittlichkeit für eine Kritik zu wenig. Da gilt es die besonderen politischen Maßstäbe zu kritisieren, von denen aus die neuen Rechtsextremen ihre Gegnerschaft gegen Demokratie und Ausländer, Nato und Europa begründen.

Und genau dabei tun sich die bundesdeutschen Kritiker des neuen Faschismus so schwer. Verständnislos stehen sie vor dem Umstand, dass z.B. der Aufruf der NPD zum 1.Mai aus Angriffen auf die herrschende Politik und aus Forderungen besteht, die auf den ersten Blick kaum von Forderungen vieler Linkskräfte oder der Gewerkschaften zu unterscheiden sind. Nazis wenden sich gegen den „Ausbau des Niedriglohnsektors“ und sind für „flächendeckende Mindestlöhne“, sie machen mobil gegen den „Zustrom billiger Arbeitskräfte aus den osteuropäischen Ländern“ und stehen dafür ein, dass „alle Deutschen von ihrer Arbeit leben können“. Und selbst ihr Verlangen nach einer „Rückkehr zur Deutschen Mark“ findet sich bei honorigen deutschen Wirtschaftspolitikern.

Und wenn dann die Neofaschisten auch noch mit antikapitalistischen Parolen – „Für die Unterdrückten, gegen die Ausbeuter!“ – auf die Straße gehen, irritiert das auch die linken Antifaschisten erheblich. Das passt überhaupt nicht in ihre Vorstellung von einer Neuauflage der Hitlerei. Weswegen solche Parolen der NPD, die sie aus ihrem linken Arsenal kennen, nie eigene der Rechten sein können: Als Wölfe im Schafspelz würden sie sich präsentieren, Kreide hätten sie gefressen und den Linken würden sie ihre Parolen klauen, um das antifaschistische Lager zu spalten, heißt es. Unsinn. Warum sollte die NPD mit Aussagen für sich werben, die der Politik ihrer Gegner entnommen sind?

Was (Neo-)Faschisten am Kapitalismus kritisieren, welche sozialpolitische Forderungen sie stellen, und warum und wie sie sich für Arbeiterbelange einsetzen, all das muss jedoch niemand bedenken, der mit den neuen Nazis fertig ist, bevor er ihre aktuelle Politik überhaupt zur Kenntnis genommen hat. Dass sie eine Schande für Deutschland sind, Demokratie untergraben und Deutschlands neue Geltung in der Welt diskreditieren, dass hat eben jeder in seinem Schulunterricht gelernt. Nicht gelernt hat er, wie Nazis denken, was sie wollen, warum das alles verkehrt und gemein ist, geschweige denn, warum die Demokratie heute wieder neue Rechtsextreme hervorbringt. Fast steht im Verdacht, sich der fälligen nationalen Verteufelung zu verweigern und den neuen Nationalsozialismus zu verharmlosen, wer sich daran macht, den politischen Standpunkt der extremen Rechten und erklären und zu kritisieren.

Und genau diese Auseinandersetzung, die die offiziellen Meinungsbildner ebenso wenig führen können bzw. wollen wie große Teile des antifaschistisches Lagers der Linken, soll mit diesem Vortrag und der Diskussion nachgeholt werden.

Veranstalter: Antifaschistische Gruppe (AGB)

Eine Veranstaltung im Rahmen der Aktionswochen des Bündnis gegen Rechts Braunschweig gegen den Naziaufmarsch am 4. Juni 2011

Hinweis: Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Mitglieder und Sympathisanten extremer rechter Parteien oder Gruppierungen und Personen, die der die extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische und antisemitische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von der Veranstaltung auszuschließen. Bei Veröffentlichung des Veranstaltungstermin bitten wir unbedingt auf diese Einschränkung hinzuweisen!