Erneute Morddrohung gegen unseren Sprecher

Neonazis haben erneut eine Morddrohung gegen den Sprecher des Bündnis gegen Rechts ausgesprochen: An die Eingangstür des Mehrfamilienhauses in Braunschweig, in dem er mit seiner Familie wohnt, wurden in der Nacht von Samstag auf Sonntag Aufkleber der neonazistischen ‚Kampf- und Sportgemeinschaft Adrenalin Braunschweig‘ geklebt. Dazu wurde in schwarzer Schreibschrift „Wir töten dich! Janzen“ geschrieben.

Drohung "Wir töten dich! Janzen" an Haustür geschmiert

Erst vor wenigen Tagen hatte ein Neonazi der Gruppe im Sozialen Netzwerk Instagram den im Mordfall am Kasseler Regierungspräsidenten festgenommenen Neonazi als „Bruder in Haft“ bezeichnet und ein weiterer drohte in einem Video: „Heute Walter, morgen Janzen!“. Nachdem die Morddrohung in den Medien und auch im niedersächsischen Landtag auf Antrag der Grünen Landtagsfraktion thematisiert wurden, gab die Gruppe ihre Selbstauflösung bekannt (Hier geht es zur Übersicht zu den Veröffentlichungen in den Medien)

David Janzen zu der erneuten Morddrohung gegen ihn:

„Heute morgen war an die Eingangstür des Mehrfamilienhauses in dem ich mit meiner Familie wohne, Aufkleber der Nazigruppe ‚Adrenalin Braunschweig‘ geklebt, dazu stand auf der Tür: ‚Wir töten dich Janzen‘. Die Neonazis machen also weiter wie bisher. Und die Behörden sind offensichtlich nicht in der Lage deren andauernden Bedrohungen gegen mich und andere zu beenden. Auch die Beamten, die heute morgen die Schmierereien aufgenommen haben, schienen diese zunächst nicht besonders ernst zu nehmen. Sie haben lediglich ein Foto gemacht und waren schnell wieder weg ohne Spuren zu sichern. Erst Stunden später kam dann die Polizei erneut vorbei, um dann doch noch Spuren zu sichern und mögliche Zeuginnen und Zeugen zu befragen, da hatten wir die Aufkleber und die Schmierereien allerdings bereits entfernt. Ich habe nach den Drohungen in den letzten Tage von vielen Menschen große Solidarität und Zuspruch erfahren und möchte mich dafür bedanken! Dass bestärkt mich darin, mich nicht einschüchtern zu lassen, mich weiter antifaschistisch zu engagieren und zu rechten Aktivitäten, Strukturen und Netzwerke zu recherchieren und diese aufzudecken.“

Aus Anlass des Mord an Walter Lübcke ruft das Bündnis gegen Rechts am Freitag, den 5. Juli um 16.30 Uhr auf dem Kohlmarkt in Braunschweig zu einer Demonstration unter dem Motto „Wir gemeinsam gegen rechten Terror“ auf. Dort werden auch die anhaltenden Drohungen und das aggressive und gewalttätige Auftreten von Neonazis in Braunschweig thematisiert. Das Bündnis kritisiert im Aufruf auch Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz:

„Auch wenn Braunschweig insgesamt eine eher kleine, überschaubare rechte Szene hat, sind die Neonazis hier sehr aktiv und fallen durch besonders provokatives und aggressives Auftreten auf. Die kaum mehr als eine handvoll Mitglieder von ‚Adrenalin‘ trainieren regelmäßig Kampfsport und bedrohen im Netz und auf der Straße Menschen, die sie als ihre politischen Gegner*innen ansehen. Gezielt versuchen sie insbesondere junge Menschen die sich antifaschistisch engagieren einzuschüchtern.Trotz dutzender Anzeigen und Ermittlungsverfahren wegen u.a. Volksverhetzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Nötigung und Körperverletzung, trotz inzwischen auch bundesweiter Medienaufmerksamkeit auf die Gruppe, die z.B. auch an Ausschreitungen bei einer AfD-Demonstration in Chemnitz beteiligt war, können die Neonazis hier in Braunschweig nun schon seit mehreren Jahren offen ihre Drohungen verbreiten und immer wieder Menschen angreifen und verletzen.Dazu kommt eine große Dunkelziffer: Viele Betroffene stellen gar keine Anzeige, weil sie Angst haben, dass dann die Neonazis an ihre Adresse kommen und weil sie kein Vertrauen in die Behörden haben. Denn selbst nachdem einer der Nazis, der bereits wegen eines brutalen Angriffs auf Schüler eines Braunschweiger Gymnasiums unter Bewährung stand, wieder einmal zuschlug, erhielt er wegen „guter Sozialprognose“ eine Haftstrafe, die erneut zur Bewährung ausgesetzt wurde. Feixend verließen der Neonazis und seine Kumpanen den Gerichtssaal und drohten anschließend im Netz: ‚Bald werden an den Straßen die Bäume voll mit hängenden Verrätern stehen.’Fakt ist: Bisher sind weder die Braunschweiger Polizei, noch Staatsanwaltschaft noch Gerichte in der Lage, die Serie rechter Schmierereien, die anhaltenden Bedrohungen und Gewalttaten dieser Neonazis in Braunschweig wirksam zu bekämpfen und zu beenden.“

Nachtrag: Es gab man gleichen Tag noch eine Hausdurchsuchung der bei einem 20-jährigen Verdächtigen. Hier die Meldung der Polizei dazu.

Demonstration: Wir alle gegen rechten Terror!

Demonstration des Bündnis gegen Rechts: Wir alle gegen rechten Terror! Freitag, 5. Juli, 16:30 Uhr, Kohlmarkt Braunschweig

Am 2.6.19 wurde Walter Lübcke, CDU-Mitglied und Regierungspräsident in Kassel, ermordet. Der inzwischen geständige Täter ist ein Neonazi:

Stephan E. war Mitglied der NPD und steht dem Terrornetzwerk „Combat18“ nahe. Gegen ihn wurde in der Vergangenheit wegen dutzender rechter Straftaten ermittelt. Verurteilt wurde er u.a. wegen eines versuchten Sprengstoffanschlags auf eine Geflüchtetenunterkunft und wegen eines Angriffs auf eine Gewerkschaftsdemonstration. Obwohl er sogar im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss Thema war, hatten ihn die Behörden zuletzt nicht mehr im Fokus, da er die letzten Jahre nicht mehr polizeilich aufgefallen sei.

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Drohungen gegen den Sprecher des Bündnis gegen Rechts

Medienschau & Landtagsdebatte (aktualisiert)

Quelle: NDR.info

Am 16. Juni berichtete unser Sprecher David Janzen per twitter über ein Posting des Braunschweiger Neonazi Timo Büllesbach von „Adrenalin Braunschweig“:

Am 18. Juni berichtete ein User bei twitter über ein Instagram-Video des Neonazi Lasse Richei, in dem er sagt: „Heute Walter, Morgen Janzen!“.

Medienschau:

18.06.2019:

t-online.de: Getöteter Politiker Walter Lübcke Verdächtiger Stephan E. hat lange Neonazi-Vergangenheit

20.06.2019

NDR: Braunschweiger Neonazis feiern Lübcke-Attentäter

regionalbraunchweig.de: „Bündnis gegen Rechts“- Sprecher erhält Morddrohungen

taz: Rechte Gruppe „Adrenalin Braunschweig“ – Offene Morddrohung gepostet

NDR: Parlament sagt Rechtsextremismus den Kampf an

news38.de: Neonazis aus Braunschweig feiern Lübcke-Attentäter – und lösen ihre Gruppe auf

Braunschweiger Zeitung: Braunschweiger Neonazi-Gruppe gibt Auflösung bekannt (kostenpflichtig)

25.06.2019

Panorama3: Rechte Hassattacken: Die Angst von Opfern in Braunschweig (Text und Fernsehbeitrag)

27.06.2019

news38.de: „Braunschweig Nazistadt“: Neonazis greifen Bürger an – Aussteiger packt aus

30.06.2019

Braunschweiger Zeitung: Nach Morddrohung: Durchsuchung bei 20-jährigen Tatverdächtigen

news38.de: Braunschweig: Neonazis mit neuer Morddrohung – „Wir töten dich! Janzen“

01.07.2019

regionalbraunschweig.de: Morddrohungen gegen Janzen: Rechtsextreme hinterlassen Botschaft

ndr.de Morddrohung: Ermittlungen gegen Rechtsextremisten

NDR Niedersachsen 18:00 Uhr: Rechtsextremismus: Erneut Morddrohung gegen Janzen

02.07.2019

taz: Rechte drohen zu Hause

Landtagsdebatte

Rede von Innenminister Boris Pistorius (SPD)
Rede von Helge Limburg (Grüne)
Tweets von David Janzen zur Rede von Boris Pistorius

Weiteres zum Thema

Eine Kommentar zum Verhalten der Polizei Braunschweig

Neonazi-Kundgebung am 1. Mai in Braunschweig

Am 1. Mai wollen die Neonazis der „Kampf- & Sportgemeinschaft Adrenalin Braunschweig“ um 13 Uhr eine Kundgebung abhalten. Die Gruppe, die bezeichnenderweise als Symbol einen Schlagring benutzt, mobilisiert unter dem Motto „Unsere Stadt – Unsere Regeln“ zum „Tag der deutschen Arbeit“ auf den Altstadtmarkt.

Die kaum mehr als eine Handvoll Mitglieder von „Adrenalin“ fallen immer wieder durch Drohungen und gewalttätige Angriffe auf, so z.B. auch bei der AfD-Demonstration am 1.9.2018 in Chemnitz, wo diese die aggressive Stimmung gegen Journalistinnen, Gegendemonstrantinnen und die Polizei maßgeblich mit anheizten (https://recherche38.info/2018/09/08/bs-in-chemnitz/). Zur Gruppe gehört auch der bereits mehrmals wegen Körperverletzung verurteilte Neonazi Pierre Bauer, der unter anderem 2016 zwei Schüler eines Braunschweiger Gymnasiums ins Krankenhaus geprügelt hat, sowie Lasse Richei, der erst kürzlich wegen einen Angriff auf einen Türsteher verurteilt wurde. Anmelder der Versammlung ist vermutlich Timo Büllesbach. Auf das Konto der Gruppe gehen auch die regelmäßigen Hakenkreuz- und NS-Schmierereien, z.B. an der KZ-Gedenkstätte Schillstrasse und auf Stolpersteine.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass (wenn überhaupt) nur eine sehr kleine Zahl von Neonazis dem Aufruf folgen werden, ist es wie immer richtig, wenn sie am Altstadtmarkt auf einen spontanen, bunten und lautstarken Protest treffen.

Zeigen wir, dass Braunschweig nicht ihre Stadt ist – Unser 1. Mai bleibt bunt und solidarisch!

Wohin geht die Reise?

Eine Veranstaltungsreihe des Bündnis gegen Rechts und Haus der Kulturen anläßlich der EU-Wahl:

3 LÄNDER – 3 BERICHTE
im Haus der Kulturen Braunschweig
(Am Nordbahnhof 1A, 38106 Braunschweig)

Aus 3 europäischen Ländern – Italien, Ungarn, Österreich – berichten Insider über die aktuellen Zustände. 

ITALIEN
Mittwoch, 10. April 2019, 18.00 Uhr 
mit LUCIANA MELLA Journalistin 

Quo vadis, Italia. Analysen zur politischen Entwicklung in Italien zwischen Nationalismus, Menschenrechten und Restauration 

UNGARN
Mittwoch, 17. April 2019, 18.00 Uhr 
mit KÁROLY GYORGY Gewerkschafter 

Rechtspopulismus in Ungarn – gewerkschaftliche Gegenpositionen 

ÖSTERREICH
Dienstag, 23. April 2019, 18.00 Uhr 
JOSEPHINE autonome Antifa Wien 

Rechtsruck und autoritäre Wende in Österreich 

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Der Rechtspopulismus und Rechtsextremismus ist in Europa auf dem Vormarsch. Nicht nur osteuropäische Länder wie Ungarn und Polen verabschieden sich von der Demokratie, von der Pressefreiheit und von antifaschistischen Positionen. Auch in Westeuropa ist der Rechtspopulismus im Kommen oder bestimmt bereits die Regierungsgeschicke mit. 

In jedem Land sind die Erscheinungsformen anders, mal mehr rechtskonservativ, mal offen mit dem Faschismus kokettierend. 

Vier Dinge zeichnen aber alle heutigen rechts­ extremen Bewegungen aus: Der Rassismus ins­ besondere gegenüber Geflüchteten, ein versteckter und verschämter Antisemitismus, die offene Demokratiefeindlichkeit, die sich gerne hinter einem angeblichen „Volkswillen“ versteckt und eine Frauenfeindlichkeit, die insbesondere Quotenregelungen, Gleichstellung und Abtreibungen bekämpft. 

Aus 3 europäischen Ländern – Italien, Ungarn, Österreich – berichten Insider über die aktuellen Zustände. 

Wie steht es um die Menschenrechte, um die Arbeitnehmerrechte, um die Sozialpolitik in diesen Ländern? Wie lebt es sich mit Rechtspopulisten an der Macht? Wie verändert sich der Alltag? Wie verändert sich die Kultur? 

Bündnis gegen rechts reinigt Stolpersteine – AfD-Abgeordneter provoziert bei Gedenkveranstaltung

Das Braunschweiger Bündnis gegen Rechts hat sich mit vielen anderen an der Kranzniederlegung aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz 1945 an der KZ-Gedenkstätte Schillstraße beteiligt.

Als Provokation für alle Beteiligten nahm an dieser Gedenkveranstaltung auch der Landtagsabgeordnete und Ratsherr der AfD Stefan Wirtz teil. Es kam zu Störungen, Herr Wirtz rempelte Teilnehmer an. Es wurde versucht, ihn abzudrängen. Die Polizei musste sich einschalten. Wirtz beleidigte Teilnehmer des Gedenkens als „faschistoid“, beschimpfte sie als „SA“ und weigerte beharrlich, zur Kenntnis zu nehmen, dass er an diesem Tag an diesem Ort unerwünscht ist.

Das Bündnis gegen Rechts fordert, dass zukünftig die Teilnahme von Rechtsextremisten an Erinnerungsveranstaltungen an die Verbrechen des Nationalsozialismus unterbunden wird: „Die AfD, die sich immer wieder mit der Relativierung der NS-Zeit beschäftigt, hat dort nichts zu suchen! Ihre Anwesenheit beleidigt die Opfer und ist eine Zumutung für alle, die gedenken wollen.“ So der Gewerkschafter Sebastian Wertmüller für das Bündnis. Das Bündnis regt an, dass bei zukünftigen Veranstaltungen des Erinnerns klare und deutliche Worte gesprochen werden, die die Täter und ihre geistigen Nachfahren klar benennen. Wertmüller: „Auch so kann man Rechtsextremisten die Teilnahme erschweren, wenn sie dort hören müssen, in welcher Tradition sie sich mit ihrem Rassismus und Nationalismus bewegen.“

Im Anschluss machten die Mitglieder des Bündnisses sich auf den Weg, die in Braunschweig in Erinnerung an Judendeportationen verlegten Stolpersteine zu reinigen. Mit Spezialreinigungsmitteln wurde mehrere Steine gereinigt: „Es ist unglaublich, wie viele dieser Steine im Gehweg, die an die früheren jüdischen Bewohner/innen der anliegenden Häuser erinnern, beschmiert werden,“ so Wertmüller. Für einige Menschen in der Stadt sei es wohl normal, die Erinnerung an den Holocaust zu schmähen und die Orte der Erinnerung zu beschädigen. Das Bündnis gegen Rechts erinnert an die Vielzahl von Naziparolen im Stadtbild, an die Schmierereien an der Gedenkstätte in der Schillstraße. Wertmüller: „Es ist uns unbegreiflich, warum die Polizei diesen Naziaktivismus nicht unterbinden kann. Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Augen offen zu halten und rechtsextreme Schmierereien zur Anzeige zu bringen.“ 

Die Reinigung der Stolpersteine und das Niederlegen roter Nelken an den Steinen durch das Bündnis mache deutlich, dass der 27.01. nicht nur ein Tag der Erinnerung sei, sondern auch der Mahnung und Warnung vor dem Antisemitismus und Rechtsextremismus unserer Tage. Die Anwesenheit von Stefan Wirtz bei der Kranzniederlegung mache deutlich, wie notwendig eine klare Haltung heutzutage sei.

Braunschweig: Rechte Straftaten steigen wieder an

Braunschweig steht bei den rechten Straf- und Gewalttaten im 3. Quartal 2018 in Niedersachsen an erster Stelle. Nachdem die Zahlen nach den Höhepunkte 2015 und 2016 in letzten Jahr wieder sanken, steigen die Zahl rechter Straftaten in Braunschweig wieder an: In den ersten drei Quartalen gab es mit 61 registrierten rechten Straftaten bereits fast genauso viele, wie im gesamten letzten Jahr (2017: 63 rechte Straftaten). Darunter waren in diesem Jahr bereits 6 Gewalttaten (2017: 7 rechte Gewalttaten). Die Zahlen geben nur die von der Polizei registrierten und offiziell als rechtsextrem eingestuften Straf- und Gewalttaten an. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

wir engagieren uns gegen extrem rechte Aktivitäten und Aufmärschen u d für eine Antifaschistische und Antifaschistische Stadt!

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